Deutsche Musikerin wird von "Fridays For Future" ausgeladen weil sie Dreadlocks trägt.

Die Sängerin Ronja Maltzahn wollte mit ihrer Band auf der Fridays-for-Future-Demo in Hannover auftreten. Weil sie als Weiße Dreadlocks trägt, wurde sie dann jedoch wieder ausgeladen. Jaja, da sind wieder die Leuts, die päpstlicher als der Papst die sogenannte Solidarität bemühen. Ich selbst bin als ehemaliger Dreadlock zwar jetzt fast glatzköpfig, aber ich habe meine Dreads geliebt und hätte nie für so einen Schwachsinn je meine Haare geschnitten. Das macht Ronja wohl auch nicht.

 Artikel   März 23, 2022

Deutsche Musikerin wird von "Fridays For Future" ausgeladen weil sie Dreadlocks trägt.

Wir sind an einem Punkt in unserer Gesellschaft angekommen, wo es einfach nicht mehr lustig ist. Es gibt immer mehr Menschen, die meinen sie könnten ihre Weltsicht den anderen um´s Hundsverrecken aufdrücken, weil sie sich im Recht fühlen. Erst lädt man eine Band ein, deren Sängerin Dreadlocks trägt und dann lädt man sie wieder aus, weil einem einfällt, dass das ja rassistisch ist. Weil Weiße keine Dreadlocks tragen dürfen. Dann hat man aber mit den da getroffenen Aussagen doch auch den Schwarzen gleich mal verboten die Haare zu glätten, ohne es direkt gesagt zu haben. Oder?

Mit meiner damaligen Band "Leo´s Den" hätte ich heutzutage schon mal nicht für "Fridays For Future" auftreten dürfen. Haha. Auch egal! Während wir uns ja damals eigentlich noch krasser die Kultur der Rastafaris und Jamaikaner ansich angeeignet haben. Wir trugen nicht nur Dreadlocks, sondern haben auch noch Reggae gemacht. Dazu auch noch Texte in Patois. Ja, das war schon sehr rassistisch. Das war ein Lernprozess, der vorher auch schon im HipHop stattgefunden hat. Erst wird das Original kopiert und dann, wenn man darin gut geworden ist, entwickelt man sich weiter und macht sein eigenes Ding draus. Eine rein menschliche Angelegenheit. Kulturen haben sich schon immer gegenseitig inspiriert. Das, was man für sich als gut heraus gefunden hat, wurde adaptiert und weiter entwickelt, das andere verworfen. 

Vielleicht seh ich das zu einfach und bin ein naiver Dümmling in einer fortgeschrittenen, intellektuellen Welt, die mir mittlererweile haushoch überlegen ist, aber die Jamaikaner, Amerikaner, Afrikaner und alle anderen Leuts mit denen ich befreundet war und bin, haben mich nicht verurteilt. Das machen eigentlich nur die Leuts aus meinem Kulturkreis. Die Jamaikaner freuen sich eins rein, wenn ein Deutscher Patois spricht. Wenn wir deren Kultur gut finden, dann macht sie das stolz. Sie gönnen denjenigen die Props, wenn er sich bewiesen hat und gut ist und "botteln" (= mit Flaschen bewerfen) denjenigen der in ihren Augen abkackt und nichts drauf hat. Wenn ein Deutscher in einer Runde mit amerikanischen Rappern auf englisch die Lyrics reinhaut, dann wird er gefeiert und die Brüder johlen und klatschen. Und freuen sich Deutsche nicht genauso, wenn ein Japaner jodelt, oder ein Brasilianer Schlager singt? Ist das nicht Respekt gezollt an die "fremde" Kultur, die man gut findet?

Die Sängerin der Band, die von FFF wieder ausgeladen wurde, singt Pop und Folk. Da wird nicht gerappt und auch keine Reggae Lieder angestimmt. Sie eignet sich bestimmt nicht in kolonialer Weise eine fremde Kultur an. Aber man ist ja Gutmensch, der heute politisch korrekt gegen den Klimawandel und für das Gendern auf die Straße geht. Ich werde mich jetzt nicht weiter auf die Leuts einlassen. In einem Artikel von damals, als Floyd und ich noch das R-evolution Magazin rausbrachten, hab ich mal die verschiedenen Kulturen und Religionsrichtungen beleuchtet, die ihre Haare in Dreadlocks trugen. Wen´s interessiert, dem seien die nächsten Zeilen empfohlen, wo ich den Artikel noch einmal hier, weil´s grad so passt, reinstelle. Macht Euch doch alle mal wieder etwas locker;-)

Grow your natty dreadlocks! (sunOne/R-evolution 2001)

“Since I threw the comb away” ist nicht nur der Titel eines Reggae Songs von den Twinkle Brothers, sondern auch die Hymne für viele Dreadlock Träger, die sich mit den verschiedenen Reaktionen ihrer Umwelt bezüglich ihrer Haartracht auseinander setzen müssen. Aber wer die Dreads als einen Teil seiner eigenen Persönlichkeit und äußeren Manifestation seines inneren Menschen sieht, hat bald wenig Probleme seine Pracht zu zeigen, ohne sich laufend Gedanken zu machen, wer was über ihn denkt. Auch wenn sie dann vom einen auf den anderen Tag ab sind, weil die Zeichen der Zeit dies gebieten um den Zyklus von vorne zu beginnen, tut man es ohne noch viel darüber nachzudenken. Man kann alles intellektuell verwissenschaftlichen oder religiös untermauern, oder einfach tun was von Innen kommt. 

Doch nach wie vor ist es bei vielen Lebensauffassungen ein Thema und daher soll auch gerade in diesem Magazin diesem „heiklen“ Punkt genügend Aufmerksamkeit gewidmet werden. Denn der Einfluss Rastafaris erst hat es geschafft, die Dreadlocks „gesellschaftsfähig“ zu machen. Ob das gut ist oder schlecht, liegt in der individuellen Sichtweise des Einzelnen. Und man wird nicht müde dieses Thema immer wieder auf den Tisch zu bringen.

Es geht jedenfalls nicht an, und dies sei gleich vorweg bemerkt, dass irgendeine Gruppierung diese „natürliche“ Haartracht als einzig gültig und sinngebend für ihre Gedankengebäude und Philosophien ansieht und meint Andersdenkende dürften keine Dreadlocks tragen. Daher auch gleich in den ersten Abschnitten so viele „Gänsefüßchen“, denn heikel wird das Thema dann, wenn die Dreadlocks in Verbindung mit Gebahren und Kleidung stehen, oder die Gesellschaft sich wieder auf gewisse Klischeebilder einlässt und diese auch unbewusst bei Dreads selbst in die eigene Welt brechen.

Da ja bekanntlich der „erste Eindruck“, den man von seinem Gegenüber hat, zur Meinungsfindung über den Charakter und das Wesen der Person viel beiträgt, schneiden also Fönfrisuren, Seiten- und Mittelscheitel, Dauerwellen und jegliche „modischen“ Frisuren von vorneherein schlecht ab. Sind sie nicht Vortäuschung falscher Tatsachen? Zeigen sie nicht die Oberflächlichkeit, die sich aus dem Inneren heraus dann auf dem Kopf manifestiert? Also eine „Unterstreichung“ des Typs? Welches Typs? Was ist der Typ? Ist damit das Wesen selbst gemeint? Das innerste Wesen mit all seinen Eigenschaften? Ist ein Mensch mit langen, knotigen Locken innerlich vielleicht auch jemand, der geistig keine Grenzen kennt und auch die Natur wirken lässt, ohne sich zu „beschneiden“ durch Ansichten, Meinungen und Normen? Oder ist er ein verworrener Chaos-Typ, dessen innere Unordnung sich nach Außen manifestiert? Es gibt wohl keinen starren Zustand, in dem sich ein Mensch befindet und daher ist wohl alles genauso zutreffend wie nichts davon.

Aber um nicht direkt vorweg zu greifen sollte man sich erst mal einige Fakten über die Dreadlocks und deren Träger geben. Der Eine proklamiert aus religösen Gründen, dass Dreadlocks zu tragen, kein „Spaß“ sei, den man heute mal macht und morgen wieder nicht, der Andere ist aber genau gegenteiliger Meinung, da er sie als momentanen Ausdruck seiner Erkenntnis, oder seiner „sozialkritischen“ Einstellung betrachtet. Aber keiner will dem Anderen eingestehen, dass er einfach verbohrt und rechthaberisch auf einem individuellen Standpunkt steht und sich noch nicht weitergehend mit dem Thema beschäftigt hat.

Was könnte ein „keltischer Buddhist Rastafari“, der sich „Natty Sadhu Bamba der Nazoräer“ nennt allen Übrigen voraus haben? Die Person und der Name sind zwar Fake, aber viele Philosophien sind diesem Namen vereinigt, die als einen weiteren Bestandteil ihrer Lehre oder Lebensanschauung die Dreadlocks haben. 

Die Kelten, die sich während und nach der Germanen Zeit durch halb Europa als ein geschlossenes Volk, ein Stamm, den Ruf als furchtlose Krieger, Handwerker und Künstler verdienten, trugen teilweise Dreadlocks. Es wird berichtet, dass überwiegend die keltischen Krieger diese Haartracht am Start hatten. Die Druiden, die Schamanen der Kelten und auch in abgewandelter Form in anderen Volksgruppierungen die in dieser Zeit und Gegend unterwegs waren, gaben den Kriegern bestimmte Tränke und Kräuter, dass diese in fast tranceartigem Zustand in Meditation gehen oder kämpften. Bei den Germanen waren die Trude, Drudas, Druidas die weiblichen Priesterinnen, die diese Rolle inne hatten. Die Krieger waren fähig, Schmerzen zu überwinden und furchtlos in den Tod zu gehen. Durch ihre Ekstase konnten sie die sogenannten „Berserker“ Zustände erreichen und dann ungeheure Kräfte entwickeln. Körperlich und Geistig. In alten Überlieferungen konnten sich diese in Bären oder sonstige Raubtiere „verwandeln“, zumindest sich eingehüllt in Wolfs- oder Bärenfellen in deren Wesen versetzen und Eigenschaften annehmen. Leider fehlen mir noch einige Informationen, wie die Dreadlocks in diesem Zusammenhang gesehen werden können. Es wird jedenfalls erzählt, dass die keltischen Krieger, fast so wie in Afrika und anderen Teilen der Welt, ihre nackten Körper vor einer „Schlacht“ mit bunten Farben furchterregend angemalt haben. Dazu kam noch der dementsprechende „Schmuck“, die Felle und da kann man sich grelle, wirre Dreads vorstellen als i-Tüpfelchen, die den Gegner vor Kampfantritt schon so die Hosen voll haben lassen, dass, so blöd es vielleicht war, die wild metzelnden Horden leichteres Spiel hatten mit ihren Feinden. Genug germanisch-keltisches Mischhalbwissen beleuchtet, wo finden wir Paralellen?

Zum Beispiel in Kenya. Nach ähnlichem Prinzip scheinen auch in den Dreißiger Jahren letzten Jahrhunderts die Kikuyu Freiheitskämpfer während der Mau Mau Rebellion operiert zu haben. Jedenfalls was die Dreadlocks anbelangt. Denn fast zur Zeit, als Guerillia Krieger in Äthiopien unter dem Kommando von Abebe Aregai schworen, ihre Dreadlocks nicht zu schneiden bis Haile Selassie I, der „Löwe von Judah“ aus dem Exil zurück sei und seinen Thron einnehmen würde, gingen Fotos der kenyanischen Kikuyu Kämpfer, die wohl für die „Durchschnittsfrisurenträger“ ziemlich furchteinflössend aussahen, mit ihren Speeren und anderen Waffen, um die Welt. Die Mau Mau, so weit diese Information richtig ist, sind aus einem Mysterienbund, einer afrikanischen Bruderschaft, hervorgegangen. 

Wie gesagt „Dread“ ist die Patois-Form von „Threat“, zu deutsch Bedrohung, Gefahr. Auch die Rastas wurden zu Anfangs als Gefahr für das weiße Establishment, die kolonialen Feudalherren und „Christen“, gesehen. Sie benannten angeblich ihre Locken so, weil es sich besser anhörte als „Fearlocks“, also Furchtlocken, worüber man erst als Bezeichnung nachdachte. Ein paar Rastafarians benannten dann nach dieser Grundsatzdiskussion die Filzlocken „Dreadlocks“. Seitdem ist es angeblich in der Rastafari Doktrin verankert und etliche Auslegungen zu den Worten und deren geistige Bedeutung kann man bei verschiedenen Rastafaris finden. 

In Neuseeland gibt es entgegengesetzt zu kosmopolitischen Dreadlock Trägern, die ihre seilartigen Haare mehr aus modischen Gründen tragen, die Maori Bandenmitglieder, die sich den Kopf verfilzen lassen. Diese von indigenen Ureinwohnern abstammenden Neuseeländer, sehen laut Francesco Mastalia und Alfonse Pagano in ihrem Fotoband „Dreads“, ihre Locken als äußeren Ausdruck ihrer antisozialistischen und generell rebellischen Haltung. In den südlichen Landkreisen von Auckland trifft man auf Nachbarschaften, die fast ausschließlich von Gang Members bewohnt sind. Als Krieger im Denken und Handeln, begrüßen sich die Maori Männer typischerweise, indem sie ihre Arme gegenseitig packen, sich in die Augen starren, die Nasen gegeneinander pressen und die Duftessenz ihres Gegenüber einschnüffeln. Der Aspekt, der wohl am meisten auffällt, ist das Gesichtstattoo der Maori. Traditionell gesehen zeigen die Tätowierungen wie weit oben man in der Rangfolge steht, wie wohlhabend man ist. Die Bandenmitglieder haben jedoch noch obszöne und/oder kritische Sprüche, die gegen die Regierung gehen, mit in ihre Tattoos integriert. Diese Kombination, Tätowierung und Dreadlocks, sind schon mal ein Garant für einen guten Schocker. 

Ein „Maori Rasta“, wie ihn das Magazin Spotlight benennt, ist vor einigen Jahren Abgeordneter im Bundestag für die neuseeländischen Grünen. (Ob er´s noch ist, weiß ich nicht!) Das ist doch schon mal ein Beweis, dass die Dreads dort nicht nur Ärger machen und die Leute in Terror versetzen. Die Maori sind als Ureinwohner schon immer stammesmäßig in ihrer Umwelt engagiert. Sie sind von ihrem Wesen her schon in der sie umgebenden Natur verankert. Die Maori scheinen sich damals, wie die weitergezogenen Hawaianer, von den Polynesiern in einer großen Völkerwanderung vor langer Zeit gesplittet zu haben. 

Zu den östlichen Dreadlock Trägern, die die Rastafari Doktrin mit der buddhistischen Lehre kombinieren, zählen die sogenannten Rasta-Buddhists. Wie? Noch nie gehört von denen? Das scheint auch noch eine ziemlich junge Richtung zu sein, denn mir waren sie bis vor ein paar Jahren auch noch nicht bekannt. Sie lassen im Gegensatz zu den Zen-Mönchen ihre Haare wachsen als Zeichen ihrer Verehrung für die Natur und deren Gesetze. Viel ist über sie nicht bekannt, aber es ist schon mal kein paradoxer Gegensatz, sondern die zwei Richtungen ergänzen und vertragen sich gut. Im Endeffekt ist es wieder nur eine Bezeichnung für Jemanden, der im Einklang mit dem göttlichen Willen lebt. Doch auch dort, in Japan und seinen Metropolen, sind „feine, ordentliche“ Dreadlocks zu einem Trend bei der jungen Bevölkerung geworden. Sie sind gerade für japanische Haarverhältnisse schwer zu drehen und verfilzen nur mit allerhand chemischer Unterstützung. Es wurden spezielle Verfahren entwickelt und die kosten bis zu 500 $ für diesen mit rotierenden Apparaten herbeigeführten „Insta-Look“. [Insta eher von instant, denn damals gab´s noch kein Instagram;-)]

Rastafaris weltweit berufen sich auch auf gewisse, schon in hundert Publikationen dieser Art erwähnten Bibelsprüche, in denen die Nazarener, oder Nazoräer zitiert werden. Rastafari ist entsprechend zu ihrer Kultur zu sehen, die sich als Abgrenzung herkömmlicher gesellschaftlicher Verhaltensformen auszeichnet. Bis der Tag gekommen ist, an dem die Weihe für den Herrn vollzogen ist, soll er heilig sein und sein Haar wachsen lassen. Die Nazarener sind zur Zeit der Sadduzäer, Pharisäer und Essener eine Gruppierung von Menschen gewesen, die sich dem reinen, heiligen Leben verschrieben haben. Sekte ist immer so ein heikles Wort, das oft in verkehrtem Kontext gesehen wird. Ganz einfache Menschen, die ihr Leben Gott, dem Mitmenschen, den Mitgeschöpfen und der Natur gewidmet haben, innerhalb ihres jüdischen Glaubens. Solche Leute gab es schon immer. Yeshua soll einer gewesen sein. Das mit den Qumranfunden und den Essenern ist jedoch immer noch nicht ganz nachvollzogen. Denn sie haben ebenso zeitgleich in der selben Umgebung gelebt und werden doch nicht ausschließlich mit den Nazarenern in Verbindung gebracht, obwohl sie scheinbar eine ähnliche Lebensweise hatten und sich vielleicht auch gegenseitig beeinflussten.

Einflüsse sämtlicher Religionen und Glaubensrichtungen kann man an den Dreadlocks festmachen. So wissen wir schon vom ersten Teil, dass zwar die Rastafarians diese Haartracht weltweit bekannt machten, aber die Filzlocke an sich wohl schon seit Beginn der Menschheit verschiedene Kulturen schmückt. 

Als Ende des Neunzehnten Jahrhunderts billige Arbeiter aus Ost-Indien auf die englischen Felder in Jamaika geschickt wurden, waren auch einige Sadhus unter ihnen. Indische „Heilige“, die asketisch leben und ihre Haare zu Locken verfilzen lassen. Wenn das mal keinen Eindruck auf eine gerade im Entstehen begriffene „neue“ Rastafari-Bewegung, die doch so alt ist, machte, dann weiß ich nicht, wie sich so viele Parallelen finden lassen, die beide Philosophien verbindet. Zumal sich das Christentum als Quelle zu erkennen gibt, die sich selbst aus den Veden und der Bhagavatgita der indischen Hindus zweifellos bedient hat. Man bedenke aber, dass sich das Christentum in Äthiopien unabhängig vom Christentum in Rom entwickelt hat. 

Jetzt wirft er wieder alles in einen Topf. Die Sadhus waren die Inspiration von Rastafari? Bestimmt nicht so, wie der vorschnelle Leser zunächst vermutet. Denn die Inspiration kommt von Einem und das in jeder religiösen Anschauung. Egal wie die Wege benannt werden und wo sie sich treffen, alle kommen und gehen zum gleichen Ziel. Die Sadhus stehen, was die spirituelle Praxis angeht, in kleinerem Gegensatz zu Rastafari als beispielsweise die heutigen sogenannten „Christen“. Sadhus sollten strikte Vorgaben einhalten, was das Leben in Askese, Abkehr von weltlichen Gütern und sexuelle Enthaltsamkeit betrifft. Letzterer Punkt ist bei Rastafarians nicht so ausgeprägt, denn sie führen ja auch Ehen und haben Kinder. Die Sadhus sehen die Dreadlocks, die bei ihnen Jatta genannt werden, als direkten Bund mit Shiva, dem Gott der Zerstörung und des Aufbaus. Eine Hindu Legende erzählt von der Göttin Ganga, der Flussgottheit (Ganges), die ihre Leute in der Tiefebene im Stich ließ um sich im Himalaja zu verstecken. Ein nach Wasser dürstender Sadhu vollzieht außerordentliche Devotionen und Askese. Als Antwort auf seine Gebete und damit er nicht weiterhin so dahinvegetieren muss, ist Ganga einverstanden wieder zurück zu fließen. Aber Shiva, der nicht will, dass die Kraft des Flusses alles unter Wasser setzt, erlaubt dem Ganges sanft durch seine magischen Locken zu fließen. Für die Gläubigen bedeutet es zum Fest des Kumbh Mela, das „Fest des Kruges“, ein direktes Pilgern und Abtauchen in die nasse Masse. 2001 war wohl mit die größte religiöse Zusammenkunft mit 30 Millionen Pilgern, die ihre Körper und Seelen rein waschen wollten. Denn dafür standen angeblich die Sterne besonders gut für dieses Fest, das erst in 144 Jahren wieder ähnlich verheißungsvoll abgehen soll. Übrigens eine Legende über die man ruhig mal meditieren kann, um eine mögliche Entsprechung im geistigen Leben zu finden.

Auch Sadhus sind nicht frei von weltlichen Verhaltensweisen. So sind auch schon einige bewaffnete Konflikte um den besten Platz beim Bad im Ganges gelaufen. Es gibt nämlich auch hier Splittergruppen und Anführer derselben. Einige Sadhu „Posses“ sind auch an dieser Pilgerfahrt mit Dreizack und Speer bewaffnet und von Musikgruppen begleitet. Es gibt Gefolgsleute Shivas, die Shaivas; Vishnus, die sogenannten Vaishnavas, und Sikha. Aber wie gesagt, alles kommt und geht zu EINEM. Denn sonst sind die Sadhus mit dem spirituellen Leben Tag und Nacht ausgefüllt. Schließt man sich einer Bruderschaft an, kann man davon ausgehen jeden technologischen „Müll“ über Bord zu werfen und sich ein natürliches Grundverhalten anzulegen. Viele Rituale werden vollzogen, um mit der spirituellen Energie, die allen organischen Dingen innewohnt, die Himmel und Erde zusammen halten in Verbindung zu sein. Die Shaivas schüren Holz oder getrockneten Kuhdung als heiliges Feuer, dhuni genannt. Um ihre kleinen Altare rumsitzend rauchen sie eine Mixtur aus Tabak und Haschisch oder Ganja. Die Chilam, oder Pfeiffe, repräsentiert Shivas Körper; die Charas (Hasch) oder Ganja, seinen Geist; der Rauch, seine Präsenz. Die eingeleitete Höhe wird demzufolge als Selbst-Realisation betrachtet, ein Moment der Einheit mit Gott. Eine Rigvedische Hymne besagt: „Der langhaarige Weise trägt in sich selbst Feuer und Elixier und beides, Himmel und Erde. Ihn anzuschauen ist wie himmlische Heiligkeit in seiner Fülle. Von ihm wird gesagt, dass er selbst Licht ist.“

Und ein Sadhu, Sri Sri Ramnarain Das, meint, er verwendet seine Zeit nicht über seine Jattas nachzudenken, sondern er lässt sie einfach wachsen bis er stirbt. Wenn er dann stirbt, bringen ihn die Leute zum Fluss, binden Steine an die Haare, fahren ihn mit dem Boot raus und werfen seinen Körper in den Ganges. An den Jattas wird er in den Himmel hinauf gezogen. Ein anderer Sadhu, Ramchander Das sagt, er ist ein "tyagis", ein Verzicht Übender, im Glauben an Vishnu, den Sonnengott, der barmherzige Krieger-König. Nach Anweisung seines Gurus trägt er Jatta. Der Lehrer gibt ihm Weisheit und Wissen. Wenn dieser stirbt, wird Ramchander Das seine Dreadlocks abschneiden, sowie auch die Finger- und Fußnägel. "Wenn ein Kind geboren wird, kommt das Haar." sagt er. Und Shital Das Per Vens, ein anderer Sadhu erklärt es noch etwas spezifischer: " Als ein Sadhu habe ich mein Leben Shiva gewidmet. Ich habe meine Familie seit meiner Wiedergeburt nicht gesehen und werde auch nie mehr zu ihnen zurück kehren. Ich habe mein vorheriges Leben aufgegeben. Ich habe keine Frau, keine Kinder. Jatta repräsentiert diesen Verzicht. Shiva ist der Gott der Zerstörung und der Gott der Schöpfung. Die Macht seiner Jatta kontrolliert die Göttin Ganga, inkarniert auf Erden als der Fluss Ganges. Die Energie dieses Flusses kommt von Shiva`s Jatta, und seine Energie fließt durch ganz Indien. Verstehst du, wenn du ein Richter bist, musst du eine schwarze Robe tragen, wenn du ein Schüler bist, eine Schulkrawatte. Wenn du Shiva nachfolgst, musst du die Uniform Shiva`s tragen: Jatta! Ein Sadhu verwendet sein Leben um Yoga zu praktizieren und sechzehn bis achtzehn Stunden am Tag zu meditieren. Ein richtiger Sadhu benutzt nichts künstliches für seinen Körper: Keine Seife, kein Shampoo, keine Kleider. Er kleidet sich mit Asche. Sein Haar wächst natürlich zu Jatta."

Auch die Baye Fall aus Afrika, hauptsächlich aus dem Senegal tragen ihre Haare zu Locken verfilzt. Ein Baye Fall Ältester, Mamadou Diof Ndiange, erklärt im Buch „Dreads“, dass die Fulani im Senegal mit die ersten waren, die ihre Haare so wachsen ließen. Schäfer, die im Busch lebten, kümmerten sich noch nie um`s kämmen. Sie waren auch mit die ersten, die den Lehren Bambas folgten. Es sind afrikanische Moslems. In der Überlieferung streckte der Apostel Ibrahim Fall seine Hände dem Gesicht des Scheiches Amadou Bamba entgegen. Der spirituelle Führer schaute seinen Jünger an und spuckte ihm in die Handflächen. So gesegnet, strich Fall mit seinen Händen über seinen Kopf und schwor seine Haare nie mehr aufgrund dieser Gabe zu waschen. Das entspricht den Baye Fall Roots und sie nennen die Dreads Ndiagne, was übersetzt soviel wie "starkes Haar" heißt. Zur Zeit der französisischen Kolonisation bekam der Scheich einen Brief vom Kommandeur, der sein Erscheinen anordnete. Amadou Bamba und alle anderen spirituellen muslimischen Führer gingen hin und bekamen Bescheid, der Gouverneur wolle allen Senegalesischen Religionen ein Ende bereiten. Alle die dem Folge leisteten wären frei, alle Anderen würden eingesperrt und umgebracht werden. Von 48 spirituellen Führern war Bamba der einzigste, der dem entgegen setzte: "Du bist niemand. Du bist ein Mensch wie ich. Diese Religionen existierten schon lange vor dir und ich werde meine nicht aufgeben!" Er wurde sieben Jahre, sieben Monate und sieben Tage eingesperrt, während der Gouverneur ihn oftmals versuchte umzubringen. Er hinterließ sieben Tonnen spiritueller Schriften. Sein Nachfolger Ibrahim Fall schnitt sich nie das Haar. Die Grundphilosophien ähneln sehr denen der Rastafaris.

Die Massai in Kenia tragen Filzlocken. Die Massai Männer fangen mit 14 an sich die Haare in dünne "Braids" zu flechten. Innerhalb der Krieger Klasse stellen die Haare einen Rang dar. Und wenn das erste Kind kommt, werden die Locken als Zeichen der Beendigung des Kriegerdienstes, abgeschnitten. So ist er im alter von 25 bei seinem Volk schon ein alter Mann.

In anderen Gegenden Indiens, zeigt die Matte, dass einer vom Geist berührt ist. Ein Mystiker, ein Irrer, ein Shamane oder ein Heiliger. Bei den Sikhs wird das lange Haar als harmonisches Leben mit Gott gesehen, während Haarschnitte nur aufzeigen, dass jemand Gottes Wille in Frage stellt. Die Sinhalesen aus Sri Lanka sehen die Dreadlocks als ein Schönheitsmerkmal. So wie es auch einige „afro-amerikanische“ Leute gibt, die ihre Dreads als Style-Faktor sehen.

Die „African-American Dreadlock Liberation“, die sich aus vielen Charakteren (u.a. auch aus der Showbranche) bildet, setzen mit ihren Filzlocken ein Zeichen, dass sie sich dem europäischen Modediktat nicht mehr unterwerfen und ihre Haare bleichen oder glattmachen (letzteres: straightening, conking), sondern ihre eigene Identität wieder finden wollen. Sie entwickeln so einen Gemeinschaftssinn, der den Stolz über ihre ethnische Herkunft wiederherstellt.

Auch in Europa gibt es heute solche Gemeinschaften. Die Europäer selbst, wie wir Deutschen, Österreicher oder Schweizer, tragen Dreadlocks aus unterschiedlichen Gründen. Die einen, um einen modischen „coolen“ Trend mitzumachen, die anderen, weil sie gerne Reggae hören, oder sich der Rastafari Bewegung anschliessen, oder „linke“ Punks, die statt Irokesenschnitt mit Dreadlocks gegen die Gesellschaft protestieren. Dann gibt es welche, die sich mit der Mystik und dem hierein fallenden Aspekt der Energie durch Haare beschäftigen, oder oder oder. Die Gründe eine verfilzte Matte zu tragen variieren von Individuum zu Individuum. Bei uns noch mehr, als in anderen Kulturen, da unsere Gesellschaft als erstes das Individuum und dann erst die Gemeinschaft sieht. Der kulturelle Aspekt ist so bei uns größtenteils in den Hintergrund getreten.

Die afrikanischen Kulturen sehen den Körper unter anderem als Ausdruck ihrer Lebensweise, ihres Standes, ihrer kriegerischen oder religiösen Einstellung. Sie drücken auch insgesamt ihre Gefühle stärker durch ihren Körper aus, als dies Asiaten oder Europäer tun. Ausnahmen sind überall die Regel. Für die Yoruba, Akan und Mende repräsentiert der Kopf ein geistiges und körperliches Wohlbefinden. Andere Gemeinschaften sehen Leute mit ungekämmten, verfilzten oder zerzausten Haaren als Zauberer oder Hexen an, die mit der „Anderswelt“, mit dem Jenseits in Verbindung stehen. die Ibo in Nigeria nennen die Dreadlockträger Dada, welche oft als Schamanen bezeichnet werden. Die mündliche Überlieferung erzählt von Auserwählten die mit vollem Haarwuchs zur Welt kommen. Eine ihrer Gottheiten, Uhammiri Ogbuide (Mamma Wasser, die Flussgottheit) wird mit dicken, gedrehten Locken dargestellt. Die Länge ihrer Haare symbolisiert ihre Fruchtbarkeit, während die gedrehten Locken an sich ihre Wildheit, die natürliche Schönheit und Unbezähmtheit bedeuten. Zwei Orden, die hermetischen und die prophetischen der Bahatowie Priester tragen schon Hunderte von Jahren ihre Haare in Dreads. Die „meditative Sekte“ hält sich in Höhlen um koptische Mönchtümer auf und ernährt sich von kärglichen Gaben ihrer Verehrer, während die prophetische Sekte die Landschaft bewandert und zu den Leuten predigt, die ihnen zuhören. Sie tragen Roben und juwelenbesetzte Amulette; Zepter mit den koptischen Kreuzen. Auch die Oromo, Amhara und Tigre von Äthiopien tragen aus traditionellen Stammesgründen Filzlocken.

Jedoch heißt Tradition nicht, dass etwas sinnvoll ist. Man sollte im Allgemeinen schon wissen, warum man etwas macht. Nur weil es schon immer so war? Nur weil der und der es auch machen? Nur weil man einer Gruppierung angehören möchte, deren Gebaren man „cool“ findet? Das Thema könnten wir auch auf den Bartwuchs erweitern, der ebenso eine Rolle in vielen Kulturen spielt.

Dazu können auch folgende Tunes angehört werden:

Können Wollen - Overlook Riddim - Stenman 2022

oder

Standpunkt - LeanSaturday Riddim - Stenman 2021

oder

Jeder ist alleine - Phatns Riddim - Stenman 2021

Copyright © 2022 Stenman Universal. All Right Reserved.
Powered by Bludit - Theme By BlThemes