Midnite is one second between tomorrow and yesterday - tick...

Ras mek peace - einer der Alben, die mich nach Bob Marleys "Natty Dread" und Peter Toshs "Legalize it" am meisten beeindruckt haben. Vaughn Benjamins Poetry bleibt im Reggae unerreicht.

 Artikel   Januar 26, 2022

Midnite is one second between tomorrow and yesterday - tick...

Es traf mich wie ein Blitz, als mir damals ein Freund ein paar Tunes von einer mir zu der Zeit unbekannten Band namens "Midnite" vorspielte. Und ab da war es auch um mich geschehen. Ich versuchte alles, was der Sänger Vaughn Benjamin mit seinem Bruder und dem Rest der Band so von sich gaben, zu inhalieren, einzusaugen und vor allem zu verstehen. Und da ging es los. Um diesen Mensch verstehen zu können, muss man sich auf noch mehr als "nur" Rastafari und alle damit verbundenen Aspekte einlassen. Und am End versteht man nur einen Bruchteil dessen, was in diesem Menschen vor sich ging. Ein damals gehörtes und als mp3 im Netz kursierendes Interview, was sich eher als ein Monolog Vaughn Benjamin´s herausstellt, hat mich genauso gepackt, wie auch sein Poetry Buch "Koll Pekude". Aber auch wenn man gut Englisch spricht, auch Patois ziemlich gut versteht und verschiedene Punkte und Stationen aus seinem eigenen Forschen kennt, erschließt sich einem nicht die gesamten Facetten der Persönlichkeit dieses Sängers.

Ich fand auch immer sehr wenig Material über die Band und viele Reggae Magazine geizten mit Artikeln über sie. Wahrscheinlich auch, weil sie wussten, dass kein Artikel über Vaughn Benjamin den tatsächlichen Aussagen gerecht werden könnte. Ein blankes Abreißen der musikalischen Bio kann nicht befriedigend sein, wenn es um den Output der Band geht. Denn alleine die Tracklist aller Alben und Erscheinungen wäre ausgedruckt ein halbes Buch.

Ich wusste, dass ich beim ersten Konzert, welches in Deutschland stattfinden würde, dort sein muss, egal wo es ist. Und für mich war es der Summerjam in Köln, für den ich ausgerechnet diesmal kein Gesamt-Ticket hatte. Nachdem ich mit meiner eigenen Band schon auf so vielen Festivals spielte derzeit, hatte ich manchmal nicht mehr so viel Lust privat auch auf Konzerte bzw. Festivals zu gehen. Aber für Midnite fuhr ich damals Sonntag am Mittag los, war pünktlich eine Stunde vor Auftritt dort und erlebte ein Upliftment, was ich lange nicht bei einem Reggae Konzert erlebte. Auch Ganjaman war als Ansager vor Ort und bestätigte das Gefühl, was sich auch bei ihm einstellte. Ihm hatte ich ein bis zwei Jahre zuvor meine Midnite Tribute Mixes als mp3 auf CD geschickt und er hat sie abgefeiert und weiter verbreitet.

Danach lies ich mich auch für meine weiteren Tunes, die auf dem zweiten Leo´s Den Album erschienen, von Vaughn Benjamin inspirieren. Jahre später, als Leo´s Den sich auflöste, mein Interesse für Reggae wieder von mehr Hip Hop, Soul und R&B ergänzt wurde und auch der Bruch von Vaughn mit seinem Bruder Ron in der neuen Band Akae Beka gipfelte,  begnügte ich mich mit den Tunes, die diese Band zu der Zeit eben hatte, als ich sie fast jeden Tag hörte. Ich fand es schade, denn Ron war für mich genauso wichtig für Midnite wie Vaughn. Das was Akae Beka dann machte war zwar prinzipiell das gleiche, hatte aber für mich nicht mehr den Spirit und das Gefühl, das ich beim Hören von den damaligen Midnite Alben hatte.

Erschrocken und ergriffen war ich jedoch dann, als ich erfuhr, dass Vaughn Benjamin, der genauso alt war wie ich, plötzlich verstarb. Er hat seine Zeit auf Erden genutzt, um zu kanalisieren, was sich durch ihn offenbart hat und hinterließ so viele Aussagen, die noch darauf warten von der Nachwelt entschlüsselt zu werden. Ein Satz aus "Propaganda - RasMekPeace: "I´m not leavin´without my contributions accounted for". Ein metaphorisches, lyrisches und poetisches Genie, dessen Worte zu erforschen es nach wie vor Wert sind. Seine Aufgabe war wohl erfüllt hier auf Erden und er ging weiter.

Das hat mich dazu bewogen die Mixes, die ich damals machte, auf Soundcloud zu veröffentlichen. Wer mag, kann sich diese anhören und vielleicht fühlen, was ich damals fühlte, als ich das erste Mal "Bankin in the pig" hörte, oder "Rastaman still stand" aus dem Album "Ras mek peace". Für mich unerreichte Perlen der Musikgeschichte, roh und ungeschliffen, aber jede Zeile wert, gehört zu werden.

Wer Fotos der Band und einige Infos ziehen will, kann auf Reggaeville einiges finden.

Für Leute auf Soundcloud:

Auch auf hearthis.at zu hören Part 1:

Für Leute, die es hier hören wollen:

Midnite Tribute Mix Part 1 - sunOne aka. Stenman/Dread vs. Comb

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